Wolfschlugen feiert Sprung in Oberliga zwei Tage lang - Schwaibold kann die Festivitäten nicht genießen - Trainerfrage noch offen

Nur an die Aufstiegs-Shirts hat niemand gedacht

Von Kerstin Dannath

Wolfschlugen - Noch in der vergangenen Woche hatten die Verbandsliga-Handballer des TSV Wolfschlugen nicht so recht an den Aufstieg geglaubt. "Im Gegensatz zum TV Neuhausen/Erms hatten wir keine Aufstiegs-Shirts im Schrank", erzählt Abteilungsleiter Wolfgang Stoll. Doch Wolfschlugen machte mit dem 23:22 (9:12) im zweiten Relegationsspiel gegen den TV Neuhausen/Erms den Oberliga-Aufstieg perfekt - und feierte ausgiebig.

Das Team von Trainer Frank Schwaibold verließ auch nach dem Hinspiel (22:19) das Feld als Sieger. Trotzdem waren die Handballer von den Fildern skeptisch - was nach dem zweiten Sieg niemanden davon abhielt, gleich zwei Tage lang zu feiern. Und es ist noch kein Ende in Sicht: "Die offizielle Abschlussfeier steigt am 19. Mai" , sagt Stoll. Und bis dahin werden sich die Wolfschlugener vielleicht sogar ein geeignetes Jubel-Gewand besorgt haben. Nur Trainer Frank Schwaibold genoss die Festivitäten nicht in vollen Zügen: Der 41-Jährige muss nach nur einem Jahr den Hut nehmen. "Ich hätte gerne weitergemacht", sagt Schwaibold, dem die ganze Sache unverständlich ist - "vor allem, weil mich der sportliche Erfolg bestätigt." Auch Abteilungsleiter Stoll ist nicht wohl bei diesem Thema, aber in diesem Fall ging Demokratie vor: " Die Entscheidung ist per Abstimmung im Ausschuss gefallen." Die war allerdings Ende März. "Wir haben es Frank Schwaibold leider erst spät gesagt", gibt Stoll zu. Der Leidtragende ist der Trainer, der nun vermutlich ein Jahr pausieren muss, da er für eine neue Stelle spät dran war. Schwaibolds persönliches Fazit ist demnach verhalten: "Der Aufstieg mit Wolfschlugen ist mein größter sportlicher Erfolg und der Club hat tolle Fans, aber menschlich bin ich ziemlich enttäuscht." Ein Nachfolger für Schwaibold steht in Wolfschlugen noch nicht fest. "Es sind drei Kandidaten in der engeren Wahl", erklärt Stoll, "entschieden wird in den nächsten Tagen." Auch bezüglich des Kaders für die kommende Saison ist nicht alles in trockenen Tüchern. Fest steht, dass Rolf Nesselhauf (zum HaSpo Ostfildern) und Jürgen Salzer (Karriereende) aufhören. Verstärkung kommt mit Tobias Schwenke vom TV Echterdingen und aus der eigenen Jugend. Die gesamte A-Jugend stößt zu den Aktiven und Stoll rechnet damit, dass Einige den Sprung in die Erste schaffen. Geklärt ist die Torwartfrage: Thomas Rieger bleibt Nummer eins, dazu kommt Nachwuchskeeper Michael Krebs. Nils Bücker steht nach einem Kreuzbandriss wieder zur Verfügung. Trotz der Fragezeichen wird Wolfschlugen keine aufsehenerregenden Einkäufe tätigen. "Wir werden unser finanzielles Niveau halten", erklärt der Abteilungsleiter. Das heißt, die Spieler bekommen zwar weiter Geld - eine goldene Nase verdienen wird sich in Wolfschlugen aber niemand. "Uns ist klar, dass wir so sicher kein Spitzenteam stellen werden", weiß Stoll, "Für uns zählt in der kommenden Saison nur der Nichtabstieg."

Esslinger Zeitung, 08.05.2001